Historischer Rundgang durch Alt-Laubenheim

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Der Rundgang führte vom heutigen Marktplatz vorbei an alten Wohnhäusern, Weingütern und Höfen  bis zur Schott-Villa, von dort über die Talstraße zum Laubenheimer Park und von dort über die Oppenheimer Straße zurück zum Ausgangspunkt.

Etwa zweimal jährlich führt Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterGerhard Strotkötter auf diesem Weg durch den alten Laubenheimer Ortskern.

 

Auf Laubenheimer Entdeckungsreise

Marktplatz
Marktplatz mit Wiegehäuschen, Brunnen und Ausscheller

1   Der Rundgang beginnt am Marktplatz mit dem Wiegehäuschen. Hier trifft sich die Hans-Zöller-Straße mit der Pfarrer-Goedecker-Straße. Der Verlauf des gesamten Straßenzuges ist seit der Karolingerzeit (8. Jahrhundert) unverändert. Auf dem heutigen Marktplatz wurde 1689 das erste Laubenheimer Rathaus nebst Dorfbrunnen erbaut. Das Rathaus wurde 1794/95 von den Franzosen bei der Belagerung von Mainz zerstört und der Brunnen beseitigt. Am Ende des 19. Jahrhunderts erbaute die Gemeinde an dieser Stelle eine Gendarmeriestation, die später zugleich als Wiegehäuschen genutzt wurde. Das heutige Wiegehäuschen (bis in den 70er Jahren wurde dort gewogen) besaß also eine Doppelfunktion. Auf dem Platz des 1794/95 zerstörten Dorfbrunnen konnte 1829 (die Gemeinde war wieder zu Geld gekommen) der heute noch vorhandene Röhrbrunnen errichtet werden.

 

Das zweitälteste Haus Laubenheims
Marktplatz Nr. 8, erbaut um 1600, gilt als das zweitälteste Haus Laubenheims

2   Das Wohngebäude, Marktplatz 8, wurde um 1600 erbaut und kann als zweitältestes Haus Laubenheims gelten. Es war im Besitz der Kirche und Sitz des Schultheißen. Im Obergeschoss befand sich der Ratssaal. Nach der Säkularisierung (Enteignung von Kirchenbesitz) richteten die Franzosen dort eine Domäne ein. 1721 entstand das heute sehr schön renovierte Kelterhaus (von der Pfarrgasse aus zu sehen). Im Jahre 1871 ergänzte man die Hofanlage durch eine Scheune aus Bruchsteinmauerwerk. Gehen wir in die Pfarrgasse hinein, mit deren Anlegung um 1540 begonnen wurde. Das Haus mit der Hofanlage auf der rechten Seite (Nr. 1) war von 1773 bis 1903 Sitz der Laubenheimer Pfarrer.

 

Marktplatz Nr. 4
Das 1752 gebaute Fachwerkhaus beherbergt heute ein Café

3   Das nächste Gebäude (Nr. 3), ist ein ehemaliges Weingutshaus mit Keller und Erdgeschoss aus dem Jahre 1727. Charakteristisch für die Laubenheimer Höfe ist die Toreinfahrt in der Pfarrgasse Nr. 6. Nun zurück zum Marktplatz.

4   Bevor es weiter in die Hans-Zöller-Straße geht, werfen wir noch einen Blick auf das 1752 erbaute Wohn- und Geschäftshaus (Nr. 4), in dem sich heute wieder ein Cafe befindet.

 

Ehemalige Toilettenanlage
Die Toilettenanlage der Schule im Hof des Braunwärt'schen Hause

5   Auf der Höhe des ebenfalls schön restaurierten Hauses Nr. 2 führt unser Weg in die Straße "Am Alten Spritzenhaus". Das "Braunwärt'sche Haus" (Nr. 1) wurde nach 1802 auf dem Gelände des ehemaligen St.-Viktor-Stiftes (1185 - 1802) erbaut. Ab 1882 wurden dort ein Teil der Schule und die Schwestern von der Göttlichen Vorsehung mit dem Kindergarten untergebracht. Die ehemalige Toilettenanlage ist heute noch hinten im Hof zu besichtigen. Ebenfalls über den Hof zu erreichen, stand hier bis 1969 das Laubenheimer Spritzenhaus.

 

Das älteste Haus Laubenheims
Originalfachwerk am ältesten noch vorhandenen Haus Laubenheims

6   Das älteste heute noch vorhandene Haus Laubenheims (Haus Nr. 3), erbaut im Jahr 1585, war der Sitz des Amtmanns des St.-Viktor-Stiftes. Besonders sehenswert ist das Originalfachwerk mit der geschnitzten Blätterverzierung.

Wir gehen nun wieder die Straße "Am Alten Spritzenplatz" hinunter und begeben uns rechts die "Berghofstraße" hinauf.

 

Inschrift am Siener'schen Tor
Inschrift am Siener'schen Tor

7   Diese Straße wird durch ein aus dem 18. Jahrhundert stammendes Hoftor des "Siener'schen Hofes" abgeschlossen. Es ist das einzige im Mainzer Raum erhaltene Torgebäude mit folgender Inschrifttafel: "KLÜCK HAT NEIDER GOTT HELF WEIDER UND WAN DER NEIDER WIED NOCH SO VIL SOGESCHC DOCH WAS GOTT HABEN WILL". Die Gebäudesubstanz befindet sich heute noch weitgehend im Originalzustand. In Betrieb ist auch noch der um 1740 erbaute Brunnen. Er ist sowohl vom Wohngebäude als auch vom Hof zugänglich.

 

Figur des Erzengel Michaels
Der Erzengel Michael über dem Portal des Deutschhauses

8   Das Deutschhaus wurde in der Blütezeit des Mainzer Kurfürstentums 1722 erbaut. Die barocke Figur des Erzengels Michael in einer Nische über dem Portal lässt auf einen geistlichen Ritterorden als früheren Eigentümer schließen. Interessant ist der Keller des Hauses mit einem Flachtunnelgewölbe. Von ihm aus besteht eine 35 Meter lange Verbindung zu einem Weinkeller unter dem Garten.

 

Erthaler Hof
Der Erthaler Hof, ein bischöfliches Weingut im barocken Stil

9   Nun wieder in die Hans-Zöller-Straße zum Erthaler Hof (Nr. 13). Der letzte Mainzer Kurfürst, Friedrich Karl Josef Freiherr von und zu Erthal (1774 - 1802), ließ das bischöfliche Weingut im Barockstil errichten. Das Kelterhaus, an der Hoffassade durch einen Torbogen akzentuiert, beansprucht etwa die Hälfte des Erdgeschosses. In der 1. Etage mit ihren 4 Fenstern zur Hofseite befand sich das bischöfliche Empfangszimmer. Das Gelände außerhalb des Hofes wurde als Weingarten genutzt. Während der Säkularisierung 1802 wurde der Besitz aufgeteilt. Pikanterweise übernahm Nikolaus Maringer, der letzte Laubenheimer Schultheiß (bis 1777), der vom Kurfürst wegen angeblichen Geldbetruges entlassen wurde, den Erthaler Hof.

 

Das Weingut Marienhof
Im Marienhof wurde 1850 die Sektkellerei Kupferberg gegründet

10   Schräg gegenüber dem Erthaler Hof befindet sich der 1746 (vgl. Tafel am Hoftor) im Barockstil errichtete Marienhof. Die sitzende, gekrönte Muttergottesfigur mit Kind (Rokoko) an der Ecke des Hauses trägt an ihrer Konsole folgende Inschrift: "saL Vs DoMVI huiC faCta est MDCCLVVII", ("heute ist dem Haus Heil widerfahren; -1762 Lukas 19,9". Dies verdeutlicht die Zugehörigkeit des Anwesens zu einem geistlichen Bauherrn, dem Liebfrauenstift. Erwähnenswert ist die Gründung der Sektkellerei Kupferberg im Jahre 1850 in diesem Haus.

 

11   Am Ende der Marienhofstraße (Nr. 14) steht außerhalb des mittelalterlichen Ortskerns im Bereich des ehemals sumpfigen Unterfeldes der Kappelhof. Einige Hinweise (Lage und Innenausstattung) lassen in ihm den Gesindehof des Marienhofes erkennen. Wir gehen jetzt wieder in die Hans-Zöller-Straße und werfen einen Blick auf das Hünerkopfsche Anwesen (Nr. 14) mit dem Ziehbrunnen im klassizistischen Stil. An der Ecke Hans-Zöller-Straße / Im Dorfgraben befand sich die sogenannte Bodenheimer Pforte. Hier verlassen wir den mittelalterlichen Ortskern Laubenheims.

 

Villa Schott
Der Landsitz des Musikverlegers Schott aus dem Jahr 1840

12   Im Hanggelände oberhalb der Hans-Zöller-Straße ließ sich der Mainzer Musikverleger Franz Schott 1840 einen Landsitz erstellen. Die Villa diente der Familie Schott als Sommerhaus und war in der Folgezeit ein beliebter Treffpunkt zeitgenössischer Komponisten. So besuchten zum Beispiel Richard Wagner, Franz Liszt und Engelbert Humperdinck dieses Haus. Hier fand unter anderem die erste Vorführung von Richard Wagners Wesendonck-Liedern statt. Das Anwesen, das seit 1968 unter Denkmalschutz steht, befindet sich heute in Privatbesitz.

 

Hochwassermarken am Karlshof am Ende der vorderen Talstraße

13   In den Jahren 1840/1850 wurden die drei Talstraßen angelegt - wir gehen in die Vordere Talstraße. Hier entstand eine Siedlung für Bahnarbeiter der Mainz-Wormser Eisenbahnlinie. Die kleinen, höchstens eineinhalbstöckigen Einfamilienhäuser (heute liebevoll ausgebaut) aus selbstgefertigten Feldbrandziegel verfügten im Hof über ein Nebengebäude für Kleinvieh. Am Ende der Talstraße (Nr. 19) befindet sich der Karlshof. An der Hauswand ist die Hochwassermarke von der großen Überschwemmung 1883/1884 zu sehen (ganz links im Bild in Höhe der Fenster).

 

Mainzer Hof
Der Mainzer Hof war einst Sitz eines französischen Steuerbeamten

14   Unser Weg führt nun in den von Karl Umbner (seinerzeit Besitzer einer Baumschule) nach 1870 angelegten Laubenheimer Park. Der herrliche alte Baumbestand ist die grüne Lunge des Dorfkerns.

15   Nach der Durchquerung des Parks treffen wir auf den Mainzer Hof (Oppenheimer Straße 8). Er war nach 1800 Sitz des französischen Steuerbeamten Freiherr von Dagenfeld. Im Hof entstand ein "Hospices", ein aus Fachwerk erbautes Haus, das als Gasthaus bzw. Pflegeheim genutzt wurde.

 

Evangelische Kirche
Die evangelische Kirche stammt aus dem Jahr 1894

16   Von den seit 1815 in Laubenheim wohnenden evangelischen Christen konnte erst 1894 eine Kirche in der Oppenheimer Straße 6 erbaut werden. Sie passt sich mit Ihren schlichten, neoromanischen Formen sehr schön in die vorhandene Häuserflucht an.

17   Fast wieder am Ausgangspunkt unseres Rundgangs, dem Wiegehäuschen, treffen wir auf das Gasthaus "Goldene Ente". In diesem 1672 erbauten Anwesen mit einem sehr schönen Innenhof befindet sich seit mehr als 120 Jahren eine Gaststätte; dies ist ein Beweis für Laubenheimer Tradition.

 

18   Wenn Sie den Rundgang noch erweitern wollen (Sie werden es nicht bereuen) gehen Sie ein Stück in die Pfarrer-Goedecker-Straße. Nach etwa 90 Metern führt eine Stichstraße links hinauf. Dort sehen Sie ein eindrucksvolles Ensemble historischer Gehöfte und Häuser aus dem frühen 18. Jahrhundert sowie Teile der alten Dorfbefestigung. Sie meine sehr verehrten Damen und Herren haben nun die Qual der Wahl, je nach Befindlichkeit laden Sie hier am Ende unseres Rundgangs vier Orte der Gastlichkeit ein: die "Goldene Ente" der "Mainzer Hof", die "Krone" und das Cafe "Alt Laubenum".