Historische Entwicklung Laubenheims

Wenn auch eine geschlossene Siedlung in römischer Zeit aufgrund der archäologischen Funde nicht angenommen werden darf, so bestimmte doch eine Römerstraße maßgeblich die Gründung und Entwicklung Laubenheims. Diese Straße führte vom östlichen Tor des Legionslagers südwestlich an Weisenau vorbei und verlief über das heutige Laubenheim zum Rhein. Sie ist im Ortsgrundriss erkennbar als heutige Pfarrer-Goedecker- und Oppenheimer Straße. Im Bereich des Marktplatzes dürfte sie sich mit einem hangparallelverlaufenden prähistorischen Verbindungsweg von Mainz nach Bodenheim vereinigt haben.

Zur eigentlichen Siedlungsgründung kam es in merowingischer Zeit. Die typisch fränkische Endung des Ortsnamens auf "heim" und entsprechende Funde legen eine Datierung um 600 nahe. Die geologischen Gegebenheiten des Gebiets - Sicherheit vor Überschwemmungen durch die hier nischenförmig eingebuchtete Niederterrasse, Wasserreichtum aufgrund der Schichtquellen des nahen Steilhangs - dürften ausschlaggebend für die Wahl des Gründungsortes gewesen sein.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Laubenheim 773. Zu diesem Zeitpunkt existierte möglicherweise bereits eine weilerartige Ansiedlung, bestehend aus mehreren verstreut liegenden fränkischen Gehöften und miteinander verbunden durch ein annähernd festgelegtes Wegenetz. In der Folgezeit entwickelte sich die Topographie Laubenheims schwerpunktmäßig entlang der Achse Pfarrer-Goedecker-Straße/Hans-Zöller-Straße im Rahmen der regionaltypischen Struktur ähnlich einem Straßendorf. Maßgebend für die Entwicklung Laubenheims zu einer kompakten Siedlung war die Befestigungsanlage in Form eines Grabens und einer Mauer. Ein hundert Meter langer Abschnitt der seit 1480 belegten Dorfmauer ist heute noch am Unteren Dorfgraben erhalten. Dieser Graben befand sich im Gemeindeeigentum und diente auch der Entwässerung bei Unwettern. Er umfing die Siedlung in Form eines langen Ovals und schloss dabei einige weiter südlich liegende Höfe mit ein. Im Westen dokumentiert die Straßenführung "Im Dorfgraben" noch heute die alte Grenzlinie.

Die 1312 inkorporierte Kapelle bildete den nördlichen Endpunkt und lag außerhalb der eigentlichen Ortsbefestigung. Diese Kapelle war von einem eigenen Graben, der in den Dorfgraben führte, umgeben. Ein Vertrag aus dem Jahr 1571 über den Verkauf des Grabens belegt dies.

Drei Pforten gewährten Einlass:
- zur Straße nach Worms hin die Bodenheimer oder Hinterpforte (Hans-Zöller-Straße 24)
- in Richtung Rhein die Merspforte (Oppenheimer Straße 1)
- an der Ausfahrt nach Hechtsheim die Kirchpforte (Pfarrer-Goedecker-Straße 21)

Eingeleitet durch Erbteilungen und der damit oftmals verbundenen Viertelung der Parzellen sowie durch Besitzumgliederungen erfolgte im Laufe des Mittelalters eine immer dichter werdende Bebauung. Sie beschränkte sich zunächst auf das Ausfüllen der Gebäudelücken entlang der Hauptstraße. Mit Beginn des 16. Jahrhunderts begann man auch mit der Erschließung der in größerer Entfernung liegenden rückwärtigen Freiräume. Die Folge war eine große Zahl von Stichgassen. Diese Erschließungswege hatten sich aus den Zufahrten zwischen der Hauptachse der Siedlung und den betreffenden Grundstücken entwickelt. Sie endeten blind in den einzelnen Höfen. Mit Ausnahme der Mohnstraße und der Pfarrgasse (entstanden 1544) sind die Stichgassen noch heute unverändert erhalten und oft mit Hilfe der historischen Bausubstanz zu datieren (z. B. Am Alten Spritzenhaus 3 wegen der Neuanlegung der Gasse um 1800 zum Teil abgebrochen). Als die älteste Stichgasse Laubenheims gilt die Berghofstraße.

Das 17. Jahrhundert brachte für die Entwicklung des Dorfes einige Rückschläge. Der 30-jährige Krieg und die Pest waren Ursache dafür, dass nach den Angaben des "Jurisdictionalbuchs des Ambts Olm" von 1668 in Laubenheim bei 72 Herdstätten nur 262 Einwohner gezählt wurden. Ein Vergleich mit der Maskoppchen Aufnahme von 1576, die ebenfalls 72 Wohngebäude aufführt, belegt, dass sich die Bebauungsdichte in den über 100 Jahren nicht verändert hatte.

Die Zahlen aus dem 17. Jahrhundert werden erstmals 1778 mit 376 Einwohnern überschritten. Erste Baumaßnahmen außerhalb des historischen Ortskerns südlich der Kirche, besonders jedoch entlang der heutigen Oppenheimer Straße waren erste Zeichen einer Erweiterung des Dorfes. Durch seine exponierte Lage kam dem sogenannten Mainzer Hof (Oppenheimer Straße 8) in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zu.

Die eingeleitete Entwicklung wurde durch die Säkularisation (1802) und die damit verbundene Teilung der kirchlichen Großgüter sowie durch den Wegfall der Zuzugsbeschränkungen weiter vorangetrieben. 1815 sind bereits 510 Einwohner zu verzeichnen. Die Bebauung blieb hinter dem Ansteigen der Bevölkerungszahl zunächst zurück. Im Gegenteil wurden während der französischen Besatzungszeit 11 Gebäude zerstört. Bei dem damaligen Bestand bedeutete dies einen Verlust von ca. 15% der Bausubstanz. Ein Ausgleich durch Neubauten erfolgte nur teilweise. Die Aufnahme von 1820 verzeichnet 74 Gebäudekomplexe, nur zwei mehr als bei der Zählung von 1668. Im Jahr 1828 wurden allerdings bereits 100 Wohnhäuser aufgeführt.


Die erste planmäßige Bebauung über die mittelalterlichen Dorfgrenzen hinaus erfolgte jedoch erst in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts, somit einer zeitgleichen regionalen Tendenz in Rheinhessen folgend. Südöstlich der historischen Dorfachse entstand senkrecht zu ihr ab 1843 in dem Wiesengelände "Im Tal" eine enggestaffelte Arbeiterwohnsiedlung, zunächst durch zwei, später durch drei schmale Stichgassen gebildet (Vordere, Mittlere und Hintere Talstraße). Vergleichbar u. a. mit der Siedlung nördlich des ursprünglichen Ortskerns von Hechtsheim steht der geradlinige Grundriss dieses Erweiterungsareals im Kontrast zu der gewachsenen Struktur des historischen Ortskerns von Laubenheim. Gleichzeitig verdeutlichen diese Straßenzüge die während der Industrialisierung gewandelten städtebaulichen Zielvorstellungen. Die Jahrzehnte bis 1870 bringen in topographischer Hinsicht keine weitreichenden Veränderungen, sondern sind vielmehr geprägt durch vereinzelte Hausgründungen und punktuelle Ausbauten, z. B. im Bereich der Oppenheimer Straße. Danach folgte eine zweite Ausbauphase, die das Gebiet zwischen Bahnlinie und Oppenheimer Straße umfasste. Entsprechend weist Laubenheim 1871 bereits 175 Wohnbauten auf, was innerhalb von 43 Jahren einen Zuwachs von über 70 % bedeutete. Nach 1900 lag der Schwerpunkt der Dorferweiterung östlich der Bahnlinie.